Kommentar: WZ 17.12.2014 „Internationaler Schleuser-Ring zerschlagen“

Laut dpa-Meldung wurden zehn Männer verhaftet, die etwa 700 Menschen geholfen haben, von Eritrea nach Mitteleuropa zu fliehen. In Eritrea herrscht eine der schlimmsten Diktaturen auf der Welt. Die meisten Menschen müssen ihr halbes oder auch fast ihr ganzes Leben beim Militär verbringen. Hunderttausende sind unter furchtbaren Bedingungen im Gefängnis.

Deutsche Asylschiedsstellen und Gerichte nehmen inzwischen diese grausame Realität wahr; die Asylanerkennungsquote für aus Eritrea Geflohene liegt bei mehr als 90 %. Doch die Flucht nach Europa ist lang und gefährlich. Sie verläuft durch die Wüste und über’s Mittelmeer. Außerdem schottet sich Europa zunehmend ab. Daher kann eine Flucht nur gelingen, wenn es Fluchthelfer gibt, die sich auskennen. Die von den Nazis Verfolgten, die über die Berge in die Schweiz geflohen sind, brauchten auch Fluchtfelfer. Vielleicht waren die zehn Festgenommenen Abzocker, die die Not der Fliehenden ausgenutzt haben. Doch zum Differenzieren und Nachdenken ist kein Raum in dieser Meldung, in der mit den Begriffen „Schleuser“, „Schleusung“ „eingeschleust“ eine Mauer der Ablehnung und Kriminalisierung errichtet.

Was haben die dpa-Leute gedacht, als sie diese Meldung formuliert haben? Und die WZ-Leute, die den Text unverändert übernommen haben? Es sieht so aus, als sei in den main stream – Medien die Herrschaft des Begriffs „Schleuser“ und verwandter Begriffe und die damit verbundene Diskriminierung ungebrochen.

bf

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