Beobachtung

Der Kolonialismus war ein Menschheitsverbrechen. Ich will keinen Vergleich mit dem Holocaust und den sonstigen Naziverbrechen anstellen. Dennoch stelle ich fest, dass in Deutschland – mit großer Verspätung, aber letzten Endes dann doch – eine relativ breite kritische Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen stattgefunden hat. Eine kritische Beschäftigung mit dem Kolonialismus findet in Deutschland sehr wenig und sehr spät statt. Der Autor des Berichts über die Berliner Ausstellung „Deutscher Kolonialismus…“ spottet – zu Recht – über eine DDR-Schlagzeile von 1961: sinngemäß: Die Mörder von Lumumba sitzen in Bonn. Dennoch war es nicht so einfach. Die DR Kongo – davor belgische Kolonie – wurde 1960 unabhängig. Diese offizielle Unabhängigkeit war in den meisten Ex-Kolonien der Schritt vom Kolonialismus zum Neokolonialismus. Denn den Kolonialmächten gelang es fast immer, einheimische Eliten an die Regierung zu bringen, die ihnen auch über die Unabhängigkeit hinaus treu ergeben waren. Allerdings wollte der kongolesische Politiker Patrice Lumamba bei diesem „Spiel“ nicht mitmachen und vertrat seine Position in allen seinen Reden sehr offen. Dies war sein Todesurteil. Der belgische Geheimdienst und der CIA organisierten seine Ermordung. Die BRD hat diesen Mord nicht angeordnet. Dennoch gehört es zum Kontext, dass Belgien und USA aus BRD-Sicht befreundete Länder waren und es keinerlei Proteste der BRD gab. Und es gehört zum Kontext, dass wir durch billige Preise für Kaffee, Ananas, aber auch Coltan u.ä. vom Neokolonialismus bis heute profitieren.

bf

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